Statement Produktbeschreibungen


Liebe Leserinnen, liebe Leser!


Sofern nicht anders angeführt, ist Andy Bigler (Genuss Autor, Blogger und Kolumnist) für alle Artikelinhalte verantwortlich!


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Mittwoch, 14. Juni 2017

Weingut Siegfried Resch (Moosbierbaum - Traisental/Österreich)


Top Qualität und Vielfalt vom Tullnerfelder Kleinstbetrieb



Kurzes Statement zu Weinbau und Weinvermarktung im Tullnerfeld

Moosbierbaum im Tullnerfeld gehört zur Marktgemeinde Atzenbrugg und befindet sich ziemlich genau in der Mitte am Weg von Tulln nach St. Pölten. Die 320 Seelen Gemeinde ist nicht nur ein von Ackerbau geprägter Ort, auch der Weinbau hat hier seit Jahrhunderten Tradition.

Die Marktgemeinde Atzenbrugg mit all ihren zugehörigen Orten zählte bis Ende 2015 zum Weinbaugebiet Wagram. Die ansässigen Winzer waren damit weniger glücklich und setzten sich dafür ein, dem Traisenal zugeteilt zu werden, was letztendlich auch gelang. Ab dem Jahrgang 2016 gehört diese Region zum Weinbaugebiet-Traisental, was den Weincharakteren mit Sicherheit eher gerecht wird, als die vorherige Wagram Zugehörigkeit. Was die neue Zugehörigkeit wirtschaftlich bringt, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

Bis auf einige Ausnahmen befinden sich hier hauptsächlich Kleinbetriebe, die ihre Weine ausschließlich während ihrer Heurigen Öffnungszeiten und eventuell ab Hof vermarkten, was angesichts der verfügbaren Mengen auch logisch ist. Leider verfügen diese Heurigenbetriebe nicht über jenen Bekanntheitsgrad wie die in den bekannten Ausflugsgebieten im Kamptal, in der Wachau oder im Weinviertel. Vermutlich liegt das auch daran, dass die Gegend als Ausflugs- und Urlaubsziel nicht gerade mit Nachdruck vermarktet wird.

© Siegfried Resch

Obwohl eine junge Generation von innovativen Weinbauern für sehr gute Weinqualität sorgt, ist in Fachmagazinen nicht all zu viel über Weinbau rund um Atzenbrugg zu lesen, was auch wieder logisch ist, denn aufgrund der Kleinheit dieser Betriebe, sind viele Weine bereits nach kürzester Zeit ausverkauft und ganz ehrlich, welche WeinfreundIn kauft sich ein teures Hochglanzmagazin, um dann zu lesen, was zwar ausgezeichnet mundet, aber nicht mehr erhältlich ist?

Hier gibt es sie tatsächlich noch, die wahren Geheimtipps, echte Heurige mit ausgezeichneter Qualität, ganz ohne Autobus Sauftourismus und Seitenblicke Publikum. Egal, wie man zu Gebietszuteilungen und Berichterstattungen mit großer Auflage steht, es lohnt sich diese Gegend zu besuchen. Man wird immer wieder auf's Angenehmste überrascht und manch ein Winzer sorgt sogar für Verblüffung vom Allerfeinsten. Einer dieser Verblüffungskandidaten heißt Siefried Resch.



0,5 Hektar - verpachten, verkaufen, selbst bewirtschaften?

Für einen Privatgarten sind 5.000 qm eine Riesenfläche, aber um als Weinbaubetrieb davon leben zu können, sind 0,5 ha eindeutig zu wenig. Wirtschaftlich gesehen, wäre die Verpachtung einer derart kleinen Fläche die optimale Lösung. Man würde damit zwar nicht reich werden, aber immerhin bliebe man weiterhin Grundeigentümer.

Hobbywinzer, das wäre selbstverständlich auch eine Lösung. Allerdings passen Hobby und das Handwerk der Winzerei nicht wirklich zusammen. Weinbau erfordert nicht nur umfangreiches Fachwissen, sondern auch hundert prozentige Einsatzbereitschaft, denn die Natur nimmt keine Rücksicht auf irgendwelche Terminprobleme, Tagesverfassungen oder sonstige Befindlichkeiten. Die Hobbyphilosophie mit freier Zeiteinteilung nach Lust und Laune funktioniert in diesem Fall nicht.


Die "Siegfried Lösung" - Profiweinbauer im Nebenerwerb!

Auch wenn ihre Haupteinnahmequelle bis vor wenigen Jahren die Landwirtschaft mit Viehzucht war kann die Familie Resch auf langjährige Weinbauerfahrung zurückblicken, denn wie für diese Gegend üblich, zählten Weinbau und Heurigenwirtschaft jahrzehntelang bei den Reschs ebenfalls zu den betrieblichen Standbeinen.

Siegfrieds Berufswahl fiel eindeutig aus, er wollte unbedingt Weinbauer werden und das Handwerk von Grund auf lernen, was er 2004 realisierte indem er seine Ausbildung an der HBLAfür Wein- und Obstbau in Klosterneuburg begann und 2009 erfolgreich abschloss. Die nötige praktische Erfahrung im Weingarten und im Keller erwarb er in namhaften heimischen Betrieben und im angrenzenden Ausland.

Siegfried war von Beginn an bewusst, dass der Ertrag seiner 0,5 ha Weingartenfläche kein ausreichendes Einkommen bieten würde. Sein Bestreben, Topweine ausschließlich mit eigenem Traubenmaerial zu produzieren, ließ sich mit Gedanken des Zukaufs von Trauben nicht vereinbaren. Es ergab sich auch keine Möglichkeit im Handumdrehen den Betrieb so zu vergrößern, dass sich das Projekt Haupterwerbsweinbauer rechnen würde. Der Status des Hobbywinzers passte schon gar nicht ins Konzept, daher entschloss sich Siegfried professioneller Winzer im Nebenerwerb zu werden. Was sollte aber das finanzielle Hauptstandbein werden?

Qualitätskontrolle im medizinischen und pharmazeutischen Bereich entpuppten sich neben dem Weinbau als weiteres Interessensgebiet. Dieses Interesse wurde durch ein Studium an der IMC-FHin Krems fachlich erweitert und 2015 mit dem Master Titel gekrönt. Damit war auch der Grundstein für ein solides Haupteinkommen in der Biotechnologie gelegt.

Um das Weingut im Nebenerwerb erfolgreich betreiben zu können, ist nicht nur eine Haupteinnahmequelle erforderlich, sondern zusätzlich auch professionelle Hilfe. Diese fachliche Hilfe wird durch Sigfrieds Vater gewährleistet, der bereits auf jahrelange Weinbauerfahrung zurückblicken kann.


Der Weingarten ist winzig, alles andere ist großartig!

Eigentlich ziemlich unglaublich, was da an unterschiedlichen Weinen aus 0,5 ha rausgeholt wird.

© Siegfried Resch
Sorry, aber ich kann’s gar nicht oft genug hervorheben, es sind gerade mal 5.000 qm, also ½ ha, allerdings in Toplage am Rücken zu Hütteldorf, mit der alten Riedenbezeichnung "In der Reidling". Quasi als Bonus gibt's dort auch noch ungehinderte Sicht auf Niederösterreichs höchste Berge, Schneeberg und Ötscher.

Die ehemalige Stockkultur, die noch vom Opa Resch bewirtschaftet wurde, ist vor 45 Jahren von einer Hochkultur abgelöst worden. Beinahe aufgeregt erzählte uns der Opa wie er damals den Wein an den Stöcken in die Höh’ zog und dass es halt viel auf die Witterung ankam, wie der Wein schlussendlich wurde, mal gut, mal sehr gut, aber wirklich schlecht, nein daran kann er sich nicht erinnern.


Sorgfältigste Arbeit im Weingarten und im Keller!

Trotz der winzigen Anbaufläche wird stark ausgedünnt um gesundes, qualitativ hochwertiges Traubenmaterial ernten zu können. Die Vielfalt der unterschiedlichen Rebsorten ist beachtlich. Grüner Veltliner, Müller Thurgau, Weißer Riesling, Grauer Burgunder, Neuburger, Sämling und St. Laurent, gedeihen hier prächtig.

Das Resch Duo könnte es sich einfach machen und einen hochwertigen Gemischten Satz keltern, der beim Heurigen ausgeschenkt und ab Hof verkauft wird. Aber irgendwie würde das nicht zu den beiden passen, also gibt es nicht nur einen ausgezeichneten Gemischten Satz, es werden fast alle Rebsorten auch sortenrein ausgebaut. Liest man das Weinangebot, würde man niemals eine nur 0,5 ha kleine Gesamtrebfläche vermuten. Das veranschaulichen dann erst die Produktionsmengen der einzelnen Weine.

Hygienische Kellerwirtschaft versteht sich von selbst. Grund genug, die Produktion vom alten gegrabenen Keller - der zwar Kellerromantik bietet, aber eben nicht den heutigen Hygieneanforderungen entspricht - in eine moderne "Produktionshalle" zu verlegen. Zeitgemäße Kellerwirtschaft mit altbewährten Hilfsmitteln ermöglicht es dem Duo fehlerfreie, sortentypische Weine mit Charakter zu vinifizieren. Aufgrund der kleinen Produktionsmengen werden ausschließlich Immervolltanks befüllt. Für ganz besondere Weine kommen auch gebrauchte Barriques zum Einsatz.


Unverfälscht und eigenständig mit Wiedererkennungswert!

Experimentierfreudig ist er schon der Siegfried, aber niemals so, dass es fragwürdig wird. Da hat alles seine definierte Struktur. Sortenreine Weine behalten ihre Typizität und bekommen keinen internationalen "0815-Einheitstouch".

Auch wenn ein Grüner Veltliner nach vollendetem Ausbau im Stahltank einige Monate im Barrique zubringt, bleibt er das was er sein soll, ein pfeffriger, würziger Klassiker ohne Kaffee- und Vanillearomatik, ohne Eiszuckerl- und ohne Sauvignon- Touch! Diese Art von Grüner Veltliner nennt sich dann zum Beispiel "Abraxas" 2015 oder 2011. Grüner Veltliner, ganz ohne Verfälschung, eben ein echter! Selbiges gilt auch für den DAC (Traisental) GV 2016 oder für den Schlosswein DAC (Wagram) GV 2015.


Vielfältig und ziemlich eindrucksvoll!

© Siegfried Resch
17 unterschiedliche Weine von 0,5 ha Rebfläche! Hochgerechnet auf eine durchschnittliche Betriebsgröße, war das wohl die umfangreichste Verkostung, an der ich je teilnehmen durfte. Die gesamte Serie ist klar und unmissverständlich definiert, mit unverkennbarer Botschaft des Winzers, "schmecken soll er, der Wein"!

Kein Wein, der nicht gefallen hätte und auch keiner, der nicht besonders gewesen wäre. Daher müssten hier auch alle gelistet werden, was aber leider doch nicht möglich ist, da wir auch Weine aus dem Privatarchiv verkosten durften, von denen keiner mehr im Verkauf verfügbar ist. Aus diesem Grund erlaube ich mir, mich auf meine persönlichen Favoriten aus der Rubrik "gibt's noch" zu beschränken.

  • Gemischter Satz 2016
  • Traisental DAC - Grüner Veltliner 2016
  • Wagram - Schlosswein Grüner Veltliner 2015
  • Abraxas - Grüner Veltliner 2015
  • Abraxas - Grüner Veltliner 2010 (mein persönlicher Sieger!)
  • Sankt Laurent 2013
  • Sankt Laurent 2011 (ebenfalls mein persönlicher Sieger!)
  • Sankt Laurent - PORTO (der Moosbierbaumer "Portwein)


Fazit: Um Größe zu zeigen, muss man kein Riese sein! Das Weingut Siegfried Resch ist mit seinen 0,5 ha Rebfläche quasi der kleinste Riese, den ich kenne. Nicht nur riesig klein sondern auch riesig großartig, eigentlich unübersehbar, ein wahrer "Gedächtnis Einbrenner"! Dem gibt's genau genommen nichts mehr hinzuzufügen...


Des Autors ganz persönlicher Senf zum Abschluss

Tja liebe LeserInnen, unterschätzt mir das Tullnerfeld mit seinen Traisental-Weinbauern nicht. Setzt euch einfach in den Zug, der hält nämlich in Moosbierbaum, geht dann 500 Meter zu Fuß und beginnt anschließend am Weingut Siegfried Resch Weine, Speisen und Gegend zu erkunden.

Mit ein bisserl Glück erzählt euch Opa Resch ein paar G'schichtln rund um die Stockkultur, während er sich an Siegfrieds Tröpferl erfreut. Der Papa Resch könnte euch was über die Isabella erzählen, weil das seine persönliche Favoritin ist. Klar doch, die Direkträger Rebsorte ist gemeint, besser bekannt als Uhudler. Ich mag das Zeug eigentlich gar nicht, aber was Papa Resch da mit Isabella anstellt, ist sowas von abartig ausgezeichnet, dass es so richtig gut schmeckt und Spaß macht!


Die beste Gelegenheit für diese Erkundungstour bietet sich
vom 28. Juli bis 05. August 2017

Heurigenschank am Bauernhof - Siegfried 

Barbaraweg 6, 3452 Moosbierbaum
0043-2275-4482

1 Kommentar:

  1. Weinmäßig tatsächlich nicht in den vordersten Reihen zu finden und wie sie richtig bemerken, hier sind die Geheimtipps zu Hause.

    Matthias Altmanns Weine kenn ich bereits, Siegfried Reschs Weine noch nicht. Wird aber zum Heurigentermin nachgeholt.

    Danke für diesen Tipp und wie immer, informativ mit Witz und persönlicher Note geschrieben

    Liebe Grüße aus Landskron
    R. Werntschitsch

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